Protokollstrecke

von Mio Mandel

Was war das für ein Land, die DDR? Welche großen und kleinen Geschichten spielten sich darin ab, und wie sieht das Leben seiner einstigen Bewohner heute aus? Ist alles Erlebte von damals jetzt schon nichts weiter als Erinnerung? In den Erzählungen dieses Bandes lässt Mio Mandel den Alltag der DDR lebendig und gegenwärtig werden. Manchmal lakonisch und mit trockenem Humor, dabei immer präzise, einfühlsam und dicht dran an ihren Protagonistinnen, schildert sie eindringlich, wie sehr gesellschaftliche und individuelle Realität miteinander verwoben waren, und macht uns deutlich, wie lebendig die Vergangenheit in der Gegenwart noch immer ist.

https://tredition.de/publish-books/?books/ID42085https://tredition.de/publish-books/?books/ID42085

 

Für die Titelgeschichte wurde Mio Mandel im April 2015 beim „Berliner Literaturwettbewerb“, Kategorie Erzählung  vom Literaturpodium der ersten Preis verliehen.

 

Impressum

© Mio Mandel 2014 | www.mio-mandel.de 

Holzschnitt: Claudia Schön nach einer Idee von Mia Wintel Gestaltung: BILDART

 

ISBM 978-3-7323-1116-3 (Paperback) 

ISBN 978-3-7323-1117-0 (Hardcover) 

ISBN 978-3-7323-1118-7 (e-Book)

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich ge- schützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autoren unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbiliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie, detaillierte bibliographische Daten sind im Internet überhttp:/dnb.d-nb. de abrufbar.

 


Die aus dem Prenzlauer Berg waren stolz auf ihren Wasserturm, die Gasometer und den kleinen Friedhof hinter der Schule. Und die Hainis, also die aus Friedrichshain, die prahlten mit dem Bunkerberg und der Knochenrodelbahn im Winter. Was war das schon im Vergleich zum Fernsehturm? Wir hatten die Westtouristen auf dem Alex und die Grenzübergangsstelle nach Westberlin, die anderen die Arbeiter vom Gaswerk in der Greifswalder Straße. Nur eins hatten wir alle gemeinsam: Viktor 70, ein Polizist, der ein Auge auf uns warf, weil er diese Kreuzung bewachte. Wir lebten schließlich an der Protokollstrecke.

 

 

Wir mussten den Satz fünf Mal wiederholen und mit unserem Namen unterschreiben. Unsere Deutschlehrerin sammelte die Schriftproben ein und gab sie den Männern. Als die Tür zufiel, ging sie zum Fenster, um es zu öffnen. Geräusche sich im Holzrahmen bewegender Scharniere, das Lösen der Gummilippen, der Herbstwind, der hörbar herein wehte, ... ihr Schluchzen. Noch immer wagte niemand ein Wort zu sagen.

 

 

Als die Mauer fiel, haben wir zusammen nach dem Begrüßungsgeld angestanden und uns danach die angrenzenden Straßen angesehen, einen Flohmarkt entdeckt und gegenseitig auf unser Geld aufgepasst. Wir haben ausgerechnet, was man wo alles kaufen könnte von den einhundert Mark. Und was alles nicht. Mein erstes hanuta haben wir uns geteilt.

 

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich ge- schützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autoren unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationabbliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie, detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http:/dnb.d-nb. de abrufbar.