Krisenkinder - wenn Eltern ihre Kinder suchen                                             Buch und Regie                                                                                                                            ESD: 8. September 2005, mDR

Kamera: Jürgen Rehberg

Schlaflose Nächte, lautstarke Auseinandersetzungen, stille Verzweiflung: manche Eltern erleben das Erwachsenwerden ihrer Kinder als ein jahrelanges Drama. Trotz Erziehungsberatern, Jugendämtern und Schulpsychologen fühlen sich viele Eltern mit den Problemen überfordert und allein gelassen. Verwandte und Nachbarn geben gute Ratschläge oder lassen durchblicken, dass die Eltern wohl auch selbst schuld seien, wenn das eigene Kind auf Abwege gerät. Offizielle Stellen greifen erst ein, wenn die Situation eskaliert und es zu Straftaten kommt.

 

Die Reihe „Krisenkinder“ beschreibt, vor welchen Herausforderungen die Eltern Heranwachsender heute stehen.

Länge: 30 Minuten

 

 

 

 

Angelina ist 13, als sie beschließt, auf der Straße zu leben. Es ist ihr fester Wille. Schließlich sieht sie schon älter aus, wie 17, und sie hat ja „nur das eine Leben“. Das will sie in vollen Zügen genießen. Der tägliche Schulbesuch ist eher lästig, die „Alten“ nerven. Um den ewigen Diskussionen mit den Eltern endgültig aus dem Weg zu gehen, verschwindet sie. Angelinas Eltern sehen sie ab und zu im Stadtpark, doch nach Hause will sie nicht. Sie sind machtlos. Immer wieder geben sie Vermisstenanzeigen auf, fragen beim Jugendamt und in der Schule, wie man sie zur Vernunft bringen könnte. Doch statt Hilfe zu erhalten, werden die Eltern wie Aussätzige behandelt. Auf den Ämtern wird ihnen klar gemacht, dass sie selbst Schuld seien. Für die ganze Familie beginnt ein Martyrium. Das normale Familienleben gerät ins Wanken. Ständig ist die Polizei im Haus. Schon nach wenigen Wochen redet die kleine Stadt über die Familie, die Nachbarn grüßen nicht mehr.

 

Auch Karla Heinke aus der Oberlausitz musste hilflos zusehen, wie ihre Tochter den Rucksack packte und verschwand. Eine Nachricht kam aus Erfurt. Dort lebt Lisa als Punk unter Punkern. Nur ab und zu ruft das Mädchen ihre Mutter an. Am Anfang ist Karla Heinke ist verzweifelt, weil sie nicht weiß, mit wem Lisa den Tag verbringt, wie es ihrem Kind geht. Dann verdrängt die Mutter die Situation und hofft nur noch, dass Lisa schon nichts passieren wird.

Erfahrungen, die Lisas und Angelinas Eltern gern mit anderen teilen könnten, gäbe es ein Forum, auf dem man sich austauschen könnte. Und das wäre bitter nötig, denn diese Familien leben jeden Tag zwischen Hoffnung und Verzweiflung.